Qualitäts- und Umweltmanagement-Systeme: Für wen und warum?

Die Kunden erwarten von einem Unternehmen, dass es qualitätsfähig ist, das heißt seine Waren oder Dienstleistungen in einer den Erwartungen entsprechenden Qualität regelmäßig anbieten kann. Nur wenn die Qualitätsfähigkeit beständig ist, gelingt es, bereits gewonnene Kunden zu binden und neue Kunden zu gewinnen.

Qualitätsfähig wird ein Unternehmen, wenn es seine Mitarbeiter zu eigenverantwortlichem Handeln führt, seine Verfahren auf die gewünschten Qualitätsziele plant und auf die Vermeidung von Fehlern ausrichtet und wenn es seine Arbeits- und Geschäftsprozesse systematisch lenkt, kurz: Wenn es Qualitätsmanagement betreibt. Dies gilt für jede Art von Unternehmen, Qualitätsmanagement macht im Kleinbetrieb ebenso Sinn wie im Großunternehmen. Allerdings unterscheiden sich die notwendigen Maßnahmen in Abhängigkeit von der Betriebsgröße, so wie es auch Unterschiede z.B. zwischen handwerklicher und industrieller Verarbeitung gibt.

Eine ungenügende Qualitätsfähigkeit wird zunächst an stark schwankenden Produkteigenschaften, an Reklamationen, Nach- und Blindarbeit, Ausschuss,Rückrufen und oft auch im sozialen Gefüge des Unternehmens an Mitarbeiterunzufriedenheit sichtbar. Die Ursachen können vielfältig sein und sind oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Qualitätsmanagement sorgt hier mit systematischen Analysen zunächst für Transparenz. Stärken und Schwächen werden erkannt mit dem zusätzlichen Effekt, dass unternehmerische Entscheidungen ein gestärktes Fundament bekommen. Planung und Lenkung der Unternehmensprozesse senken dann den Anteil an Fehlleistungen und führen zu kontinuierlicher Qualität.

Viele Unternehmen, insbesondere solche mit stark gegliederten Abläufen, sehen das Qualitätsmanagement als ein Führungsinstrument zum Zweck der Erreichung ihrer Unternehmensziele. Je größer ein Unternehmen, umso selbstverständlicher wird dieses Instrument genutzt. Oft sind Qualitätsmanagement-Systeme auch eine wichtige Voraussetzung für den Marktzugang, da Kunden wie etwa der Lebensmittelgroß- oder Einzelhandel dies erwarten. Kleinere Unternehmen, speziell auch handwerklich arbeitende Lebensmittelhersteller suchen den Einstieg in ein systematisches Qualitätsmanagement häufig dann, wenn konkrete Probleme in der Produktion auftreten und allein mit den Möglichkeiten der Guten Herstellungspraxis nicht mehr gelöst werden können. Zum Zweck der Fehlererkennung ist dann in der Regel zunächst eine Analyse der Herstellungsprozesse und der Betriebsabläufe erforderlich. Erst danach werden die eigentlichen Qualitätsmanagement-Maßnahmen zur Vermeidung zukünftiger Fehler eingeführt. Strategien zur Fehlervermeidung wirken sich ökonomisch und auch sozial positiv aus: Vermiedene Fehler verursachen keine Fehlerkosten und es erhellt das Arbeitsklima, wenn alle Abläufe im Unternehmen so organisiert sind, dass fehlerfreie Arbeitsergebnisse begünstigt werden. Hier wird deutlich, dass Qualitätsmanagement etwas anderes ist als Qualitätskontrolle: Die Qualitätskontrolle selektiert Fehler aus, nachdem sie entstanden.

Qualitätsmanagement zielt auf gelenkte Unternehmensabläufe und wirkt fehlervermeidend. Dies gelingt, wenn alle Mitarbeiter die mit ihrer Aufgabe verbundene Verantwortung erkennen und wahrnehmen. Qualitätsmanagement baut deshalb auf eine Form der Mitarbeiterbeteiligung, die zur Identifikation mit der Aufgabe führt. Es eröffnet Entwicklungsmöglichkeiten und ist damit mehr als ein zuverlässiges Instrument zur Erfüllung von Anforderungen.

Im Lebensmittelrecht ist seit 1997 für alle Lebensmittelunternehmer, die Tätigkeiten im Anschluss an die Primärproduktion ausführen, die Verpflichtung zu Eigenkontrollen und –maßnahmen verankert (HACCP). Die Vorgaben sind auf die Lebensmittelsicherheit und den Verbraucherschutz abgestellt und kommen einer Verpflichtung zu vorbeugenden, qualitätssichernden Maßnahmen gleich. Die Verantwortung hierfür ist den Lebensmittelunternehmern übertragen. Seit 2006 gilt EU-Hygienerecht, das auch die Primärproduktion – das sind landwirtschaftliche und gärtnerische Erzeugung, Jagd und Fischerei – einschließt. Die für die Primärproduktion geltenden Vorschriften entsprechen weitgehend der Guten Fachlichen Praxis und sind inhaltlich nicht neu; HACCP ist für die Primärproduktion nicht vorgeschrieben.

Viele Abnehmer, insbesondere solche in marktgestaltender Position, fordern von ihren Lieferanten die Einhaltung privatrechtlicher Standards. Wer diese Abnehmer beliefern will, muss sich nach dem geforderten Standard zertifizieren lassen (IFS, BRC, ISO 22000, GlobalG.A.P., QS). Oft wird nicht deutlich genug herausgestellt, dass diese Standards keine kohärenten Qualitätsmanagement-Systeme sind, sondern dass sie nur Qualitätsmanagement-Elemente enthalten oder mehr oder weniger weitgehend auf typischen Qualitätsmanagement-Elementen aufbauen. Die Implementierung eines dieser Standards wird einfacher, wenn eine Qualitätsmanagement-Systematik bereits besteht.